... also der Hammer war Hammerfest zwar nicht, aber ...
Die heutige Strecke: 206 km
Gegen 08:00 Uhr sind Apik und Edwin bereits aufgestanden und haben sich leise zu einem zweiten Fotoshooting aufgemacht. Zu diesem Zeitpunkt war noch alles ruhig. Auch am Nordkappglobus war noch kein Mensch.
Ich bin gegen 09:00 Uhr aus dem Allkoven gefallen, hab mir Handtuch und Zahlbürste geschnappt und bin Richtung Nordkap-Zentrum gegangen mit der Absicht mir dort, in der einzigen öffentlichen Toilette, wie am Vorabend brav die Zähne zu putzen und mich ein wenig frisch zu machen. Edwin und Apik hatten Glück gehabt. Sie hatten das Nordkap noch einige Zeit für sich alleine. Ich leider nicht. Schon um 09:00 Uhr morgens waren im Vergleich zum Vortag weitaus mehr Menschen dort. Offensichtlich wurden halb Deutschland in Bussen von der AIDA, die ca. 30 km entfernt in einem kleinen Hafen festgemacht hatte, zum Nordkap gefahren. Wie auch immer, mir strömten mit einem Mal mehrere Tonnen deutscher Touris in gehobenem mittleren Alter entgegen.
Um 10:00 Uhr Vormittags dann haben wir zur feierlichen Abschiedsstunde vom Nordkap zum Frühstück leckere frische Pfannküchlein aus der Teigflasche, importiert aus Deutschland, zubereitet. Nutella, Honig und Marmelitschka dazu. Sehr lecker! – Für die nicht so sprachgewandten unter Euch Lesern: Marmelitschka ist ein rheinisch-schlesisch-polnischer Begriff und bedeuted: Marmelade…
Dann eine letzte kleine Zeremonie: Hubert hatte extra einen Stein aus Bonn vom Rhein mitgenommen den er dort gegen einen Nordkappstein tauschte.
Dann gings los.
Die Abfahrt über die Nordkapinsel Mageröya war ähnlich spektakulär wie am Vortag. Arktischweiße Landschaftverhältnisse. Wunderschön!
Danach wechselte die Landschaft und wir lernten mehr und mehr die typische aber für uns noch gänzlich unbekannten norwegischen Fjordlandschaften kennen. Gut ausgebaute und hier oben noch recht flache Uferstrassen an weitläufigen Fjorden. Immer wieder kleinere Herden von Rentieren neben, an oder auf der Strasse.
Gegen 17:00 Uhr kamen wir in Hammerfest an. Noch am Ortseingang waren ein WoMo-Stellplatz und die Touri-Information ausgeschildert, denen wir direkt folgten. Der einfache Stellplatz, kein! Campingplatz, befand sich sehr schön gelegen direkt am Wasser mit Blick auf die Hafenbucht. Eigentlich war es mehr ein Parkplatz, an dem es dennoch mehrere Stromzapfsäulen gab. Auch Wasserablaß und Wasserbetankungmöglichkeiten waren vorhanden, jedoch keine Toiletten und auch keine Dusche. Das ganze für ca. 20 EUR, die wir mit Kreditkarte an einem Automaten zahlen mussten. Einfach und funktional ! Klasse !
Die Touri-Info war ebenfalls nicht weit entfernt und wir gingen nach kurze Pause zielstrebig dort hin um uns über die Highlights von Hammerfest zu informieren. Begrüßt wurden wir von sehr netten Mitarbeitern in perfektem Deutsch mit den Worten: “Willkommen in der schönsten und nördlichsten Stadt der Welt”. Das klang gut und vielversprechend, haben wir doch die leiiiiicht verschmitzt Ironie in seinen Worten anfangs nicht bemerkt. Um es vorweg zu nehmen. Hammerfest ist weder schön noch die nördlichste Ort mit Stadtrechten. Merke; Die Tourismusbranchen-Verschwörung wirkt bis nach Nordnorwegen …
Und dennoch… Nach Rückfrage, ob es die Möglichkeit der Toilettennutzung und/oder eine Dusche gäbe, sagte man uns, dass wir neben an in einer Art Wartehäuschen der Schnellfähren 24/7 frei zugängliche Dusche und Toiletten gibt. Und auch ein paar Tipps zu Sehenswürdigkeiten und Restaurants gab man uns…. Klasse !
Auf zu einem ausgedehnten Spaziergang rund ums Hafgenbecken von Hammerfest. MannOMann. Das war der Hammer. Aber kein Fest ! Hammerfest lebt von Fischerei und Erdgas und das merkt man auch. Es ist schmuddelig und riecht überall nach Öl. Von ferne wirkt der Hafen idyllisch, kommt man näher, ist alles sehr funktional und industriell. Wir gingen bis ans Ende der Bucht auf der Suche nach einem netten Plätzchen oder auch nach einem schönen Fischrestaurant. Das vom Info-Mitarbeiter vorgeschlagene Restaurant wirkte eher wie ein Schnellimbiss. Doch am Ende trafen wir nur 5 kräftige, etwas derb aussehende und bierchentrinkende Holländer, sich auf die Rückfahrt mit Ihren mit einem Granulat beladenen Lastern vorbereiteten.
Dann doch noch ein Highlight – Haaa !!! Im Industriehafen von Hammerfest gibt es doch tatsächlich ein UNSECO-Weltkulturerbe! Der Hammer !!! – Noch dazu ein besonderes ! – Und zwar: Der Ausgangspunkt des sog. Struve-Bogens. Schonmal gehört? Nicht? Macht nichts. Ich auch nicht! -
Aber trotzdem recht interessant: Kurze Info zum Struve-Bogen (Quelle: Auszüge aus Wikipedia):
****************
Der skandinavisch-russische Meridianbogen oder kurz Struve-Bogen, benannt nach dem deutschbaltischem Astronomen Wilhelm von Struve (1793–1864), ist eine Gradmessung die aus einem langgestreckten Netz geodätischer Vermessungspunkte besteht. Er hat etwa den Verlauf eines Meridianbogens und ist fast 3000 km lang. Seine durch Triangulation versteifte doppelte Punktkette wurde von 1816 bis 1852 unter der Aufsicht Struves errichtet, um zur genauen Bestimmung der Erdfigur (Größe, Form, Abplattung) in Nord- und Osteuropa zu dienen.
Der Struve-Bogen zählt zu den genauesten und größten Projekten der damaligen Erdmessungund.
Der Struve-Bogen ist neben seiner Bedeutung für die Geodäsie auch ein frühes Beispiel für die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit. Repräsentiert durch 34 seiner Messpunkte wurde er daher vom World Heritage Committee der UNSESCO am 15. Juli 2005 in die Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit aufgenommen und ist damit das erste „wissenschaftliche Instrument“ in dieser Liste.
***************
Zurück gings in nasskaltem Schneeschauer um das Hafenbecken zum vorgeschlagenen Schnellimbiss mit eingelagertem Fischtrestaurant. Und das war weit besser als gedacht. Das Restaurant ist dem Deck eines Fischkutters nachempfunden. Wir bestellten vier Dosen “Weissbier” zu je 9 EUR die aus Weingläsern getrunken werden mussten. Dazu einmal Heilbut, einmal Lachs uuuuund – ich mags kaum laut aussprechen geschweige denn niederschreiben – zweimal Walfleisch. Ich schreib' jetzt auch nicht wer es bestellt hat.
Probiert hat jeder und es war zugegebenermaßen auch wirklich ziemlich lecker… Schmeckt recht ähnlich wie Rindfleisch. Dazu lecker Sößchen und Kartoffeln und Salat. – Naja, haken wir es ab unter der Rubrik: “Vieles im Leben zumindest einmal probiert/erlebt zu haben”.
Info: Norwegen gehört neben Japan und Island zu den wenigen Ländern, die aus nahrungsmittelkommerziellen und traditionellen Gründen nachhaltigen Walfang betreiben (Quelle auch hier: Wikipedia).
Mit tendenziell leicht schlechtem Gewissen, gings zurück ins WoMo, wo wir alle recht schnell ins unsere Kojen gekrochen sind.
Das war der 09. Juni 2017 in Hammerfest …

Och nö...kein Walfleisch!!!
AntwortenLöschen